Welt 03.09.2026
10:48 Uhr

„Alles auf den Prüfstand stellen“ – jetzt kommt aus der Union Widerstand gegen die Steuerreform


Die Einkommensteuerreform versprach Entlastungen – doch in Wahrheit bleibt davon wenig übrig. Finanzpolitiker der Union fordern nun Nachbesserungen.

„Alles auf den Prüfstand stellen“ – jetzt kommt aus der Union Widerstand gegen die Steuerreform

Finanzpolitiker der Union wollen durch Ausgabenkürzungen im Bundeshaushalt eine höhere Entlastung durch die Einkommensteuerreform erreichen. „Wir werden wirklich alles nochmal auf den Prüfstand stellen“, sagte der finanzpolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Fritz Güntzler (CDU), am Donnerstag im Deutschlandfunk (verlinkt auf https://www.deutschlandfunk.de/cdu-politiker-guentzler-gesetzentwurf-sorgt-nicht-fuer-wachstumsimpulse-104.html) . Es müsse im Haushalt geprüft werden, „ob es nicht doch Spielräume gibt, die man nutzen kann“. Das Bundeskabinett hatte am Mittwoch nach langem Ringen einen Gesetzentwurf von SPD-Finanzminister Lars Klingbeil (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/deutschland/article6a97fca63ae913be367b6731/trotz-kritik-kabinett-bringt-umstrittene-steuerreform-auf-den-weg-das-passt-fuer-mich-nicht-zusammen.html) für eine Einkommensteuerreform beschlossen. Sie sieht laut Finanzministerium eine Entlastung von zehn Milliarden Euro vor und soll vor allem kleinen und mittleren Einkommen sowie Familien zugutekommen. Die Unions-Vertreter haben das Entlastungsvolumen immer wieder als zu gering kritisiert, Vorschläge Klingbeils zur Gegenfinanzierung höherer Steuererleichterungen etwa über eine Anhebung der Erbschaftssteuer aber abgelehnt. Güntzler forderte, dass zumindest die sogenannte kalte Progression (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/deutschland/article6a7c107967ddb2e13c584cf6/kalte-progression-die-buerger-merken-doch-wenn-sie-ueber-den-tisch-gezogen-werden-kritik-an-geplanter-steuerreform.html) ausgeglichen werden müsse, die er mit acht Milliarden Euro bezifferte. Dabei geht es um einen Effekt, bei dem nach Einkommenserhöhungen der Zuwachs ganz oder teilweise dadurch Inflation und einen höheren Steuersatz aufgezehrt wird. Der CSU-Finanzpolitiker Florian Dorn mahnte in der „Bild“-Zeitung, zum Ausgleich der kalten Progression und zur Stimulierung von Wachstum in Deutschland müsse die Entlastung höher als 15 Milliarden Euro ausfallen. „Im Gegenzug könnten wir bei den Staatsausgaben ran“, sagte auch er der „Bild“-Zeitung. (verlinkt auf https://www.bild.de/politik/inland/steuern-heimliche-steuererhoehung-politiker-der-cdu-revoltieren-gegen-plaene-von-klingbeil-6a9833909452c52238231b2c) „Da ist allein bei den Finanzhilfen ein Volumen von bis zu fünf Milliarden Euro pro Jahr durchaus möglich.“ Güntzler wollte sich noch nicht auf konkrete Einsparmöglichkeiten im Haushalt festlegen. Hierzu liefen interne Beratungen mit den zuständigen Arbeitsgruppen und Parlamentsexperten, sagte er. Klingbeil bringt am kommenden Dienstag seinen Entwurf für den Bundeshaushalt 2027 in den Bundestag ein. Er wird dann vom Parlament beraten, wobei Änderungen möglich wären. Der Finanzminister hatte am Mittwoch angesichts von öffentlich gewordener Kritik aus dem CDU-geführten Bundeswirtschaftsministerium an seinen Einkommensteuerplänen die Union aufgefordert, selbst Vorschläge zur Gegenfinanzierung einer höheren Entlastung zu machen. „Ich drücke allen die Daumen, dass man dann noch mehr Geld findet“, sagte er mit Blick auf die anstehenden Haushaltsberatungen.